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April 2012 D / Indien - Weltkulturerbe Ellora

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Unser neuer Fahrer am dritten Tag in Aurangabat spricht nun aber ein gutes Englisch, hat gute Manieren und ist rundum freundlich. Gute Voraussetzungen für unseren nun geplanten Trip zu den Höhlentempeln von Ellora.
Unterwegs hält er beim Daulatabad Fort an, der größten Wehranlage Westindiens. Hier sollen wir hinauf? Der höchste Punkt des auf hohen Felsen gelegenen Forts erhebt sich bestimmt 200 Meter, und das bei nun schon wieder fast 40 Grad im Schatten. Kein Pardon, in solchen Sachen sind wir meist knallhart, ein weiches Sofa haben wir zuhause und wir fliegen nicht um die halbe Welt um hier herumzujammern. So steigen wir über 90 Minuten lang bergan, herrliche und überraschende Perspektiven tun sich auf. Welch kolossale Wehr- und Gebäudekomplexe, trutzig für die Ewigkeit gebaut.


Foto: (c) Samuel Degen. Das gewaltige Fort in Daulatabad

Das war klasse, wenngleich wir dann erst nach über zwei Stunden wieder beim Parkplatz sind. Und wieder einmal wurden auch wir dutzende male fotografiert, fast jeder der vielen Inder zückte im Vorbeigehen versteckt sein Handy, um unser helles Fleisch abzulichten. Andrea trägt auch heute wieder ihren fast bodenlangen schwarzen Rock, sonst wären es vermutlich doppelt so viele Handyaufnahmen geworden, halbnackte Damenbeine gibt es hier absolut nicht. Wie wir heißen, aus welchem Land wir kommen, wie uns Indien gefällt. Und dies nicht, wie fast  überall andernorten, nur als Aufhänger zu hartnäckigen Verkaufsvorbereitungen für irgendwelchen Plunder, nein, da ist echtes Interesse ohne Hintergedanken an uns als Gäste des Landes. Die Männer grüßen freundlich, manche klopfen mir freundschaftlich auf die Schultern. Wo es doch in Indien völlig normal ist, dass Männer Hand in Hand spazieren gehen.


Foto: (c) Samuel Degen. Indische Besucher kommen von weither, um die Pracht des Kailash-Tempels in Ellora zu bewundern.

Nun durch die heftige Klettertour gut „aufgewärmt“ wenige Kilometer weiter nach Ellora. Und dort  wieder eine erfreuliche Überraschung. Die Höhlentempel hier sind zwar nicht so malerisch wie in Ajanta in eine senkrechte Felswand gehauen, dafür aber sind sie noch gewaltiger, noch eindrucksvoller. Nun rächt sich unser sportives „Vorprogramm“ doch, wir schaffen nicht alle 34 Höhlen. Nach 4 Stunden bei gefühlten 45 Grad geben wir entkräftet auf, nicht jedoch ohne die wichtigsten 20 Tempel intensiv inspiziert und fotografisch dokumentiert zu haben. Und das im Beisein unseres nun 12-jährigen Jo, der seit 10 Jahren diese unsere üblichen Mördertouren mehrmals jährlich rings um den Globus recht klaglos mitmacht und nicht ständig, wie seine meist total verweichlichten Altersgenossen, auf Mallorca ständig nach Pommes und Pool jammert.
Vor allen den Tempel Nummer 16, den Kailash Tempel, werden wir wohl nie vergessen. Dessen Dimension und Qualität, die Tempel von Ellora sind ebenso wie die Tempel in Ajanta monolithisch am Stück aus dem Felsmassiv gehauen, gehört zum gewaltigsten, was wir je, von künstlerischer Menschenhand geschaffen, gesehen haben.
Nur die in fast allen Tempeln von Ellora ins Auge stechenden massiven Beschädigung durch die Islamisten, wie bereits erwähnt, machen uns noch nach Jahrhunderten wütend. Die abgeschlagenen Nasen, Hände und Füße an den schönsten Statuen sind grauenhaft und, da diese Taten gegen Einrichtungen oder Kultgegenstände anderer Religionen bis in die heutige Zeit fortwähren, nicht ansatzweise akzeptabel.


Foto: (c) Samuel Degen. "Weltwunder" Ellora, Tempel No 16, der "Kailash-Tempel"

So einerseits von der einmaligen Schönheit von Ellora überwältigt, als auch andererseits emotionell „geladen“, wollen wir dann aber doch noch nicht schlapp machen und am späten Nachmittag auf dem Rückweg zum Hotel noch versöhnlich nach Khuldabad an das Grab des letzten großen Moguls Aurangzeb, jenes islamistischen Täters, der die Zerstörungen in Ellora der für ihn "heidnischen Symbole" befohlen hatte, besuchen.
Ein Blinder leiert am Grab, das eine wahre islamische Wallfahrtsstätte darstellt, auf Englisch Ruhm und Ehre des Verstorbenen herunter, so auf die Art, den Buddhisten, Hinduisten und Jainisten habe der es aber so richtig gezeigt. Kein Wort von Reue, von Entschuldigung, von Verirrungen in der Geschichte. Dagegen nur Stolz, Ruhm und Ehre im Namen des Propheten.

Und mein neues T-Shirt, das ich mir in Vorbereitung auf diese Tempeltour mit der Aufschrift "God ist too big to fit into one Religion" (Gott ist zu groß, um in eine Religion zu passen), in Goa habe besticken lassen, hatte ich heute nicht angezogen. Sicherlich hätte er, wenn er sehen könnte, den Sinn auch nicht verstanden. Religiöse Fundamentalisten und Hardliner kennen kein ökumenisches Mit- oder zumindest Nebeneinander der Weltreligionen, alle anderen sind bei denen immer nur die "Ungläubigen", die strikt abzulehnen sind. Wann wird die Menschheit, nach Jahrtausenden dieses Irrsinns, endlich die religiöse Vielfalt mit ihren wunderbaren Werten, Philosophien und Perspektiven als Bereicherung und nicht als Grund zur erbitterten Gegnerschaft mit Millionen von Opfern begreifen.


Foto: (c) Samuel Degen. Lobpreisungen in Khuldabad auf die Taten des 1707 verstorbenen Moguls Aurangazep

Diesen Moscheebesuch hätten wir uns somit wirklich sparen können, wieder ein dunkles Mosaiksteinchen in meinen seit über 30 Jahren weltweit gesammelten düsteren Erkenntnissen und Erfahrungen über die dumpfe Gewalt, die zu oft von diesen Leuten ausgeht. Wo ich doch Anfang der 80er Jahre so optimistisch und wissbegierig in die Weiten des Orients aufbrach, um die literarisch so vielgepriesenen Weis- und Klugheiten des Islam bereichernd selbst zu erfahren. Welch ein Irrtum...

Abends dann nach dem labendem Geplansche im Hotelpool obligatorisch sofort alle Aufnahmen des Tages auf die Festplatte das Netbooks gesichert, undenkbar, durch den Defekt einer Speicherkarte die Ergebnisse unserer aufwändigen Reiserecherchen zu verlieren.

Nun mit Jet Airways zurück an die Traumstrände von Goa, mit Umsteigen in Bombay. Dort dann aber ein ungeplanter Aufenthalt von 6 Stunden, da die Landebahn von Goa wegen Reparaturarbeiten zeitweise gesperrt sei.  Ok, da bietet sich doch eine Stadtrundfahrt in Bombay an. Schnell in der Nähe des Airports für pauschal 1.600 Rupien ein recht dubioses und schrottreifes Chartertaxi gefunden, da uns leider kein Reise- oder Infoschalter im Airport weiterhelfen kann. Das Ganze aber nur ein Reinfall: zwei Stunden zähe Staufahrt in die 40 km entfernte City von Bombay, nur eine halbe Stunde Spaziergang rings um das weltberühmte Gateway of India und wieder zwei Stunden Staufahrt zurück zum Airport. Wenige Fotos als Ausbeute aber dafür eine große Erfahrung reicher: nie wieder Bombay.


Foto: (c) Samuel Degen. Das Taj Mahal Palace in Bombay am Gateway of India

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