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April 2012 C / Indien - faszinierendes Aurangabat

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Foto: (c) Andrea Liere. Samuel Degen (re) mit dem Bellboy des Ambassador in Aurangabat

Am zweiten Tag steht nun eine „Stadtrundfahrt“ in und um Aurangabat auf unserem Plan. Was soll  es hier in diesem staubigen und gottverlassenen Kaff, das immerhin über 1 Mio Einwohner hat, so tolles zu sehen geben?
Unser der englischen Sprache nicht mächtige Fahrer, dessen Qualitäten sich rein auf den Besitz eines großen Jeeps der Marke Tata beschränken, fährt uns zuerst an den Stadtrand zum „Little Taj Mahal“, das zumindest kann er kommunizieren.
Zwischen 1682 und 1707 war die Stadt Sitz des indischen Großmoguls Aurangzeb. Das Bibi-Ka-Maqbara, eine Nachbildung des Taj Mahal, wurde 1697 von Azam Shah, einem Sohn von Aurangzeb, für seine Mutter Dilras Banu Begum als Mausoleum errichtet und erinnert an die Epoche der Mogulherrschaft.


Foto: (c) Samuel Degen. Bibi-ka-Maqbara - der "Little Taj Mahal" in Aurangabat

Wunderbar, es sind kaum Besucher da, die den Blick auf das Gebäude, das dem „echten“ Taj Mahal in Agra verblüffend ähnlich sieht, verstellen könnten. Die Sony R1 klickt und klickt. Nur die Springbrunnenanlage, die schnurstracks auf das Gebäude zuläuft, führt kein Wasser.
Der Himmel ist stahlblau, die Luft klar, bessere Bedingungen für echte Postkarten gibt es wohl kaum. Also, den Effekt genutzt und die Außenaufnahmen zusätzlich um ½ Blende unterbelichtet, Erinnerungen an die Bonbonfarben des legendären Fuji Diafilms kommen auf. Der Polfilter bleibt in der Tasche, der würde das Ganze dann doch überzeichnen.
Im Mausoleum sind wir allein, so dass wir das Grabtuch der hier bestatteten Dilras Banu Begum, auf das unzählige Münzen hinuntergeworfen wurden, aus den wirkungsvollsten Winkeln fotografieren können. Nur Videoaufnahmen sind nicht erlaubt, aber hier drinnen gibt es gerade sowieso nichts zu filmen. Bis dann die Schulklassen kommen. Nicht eine, nein viele viele. Diszipliniert, wie dies hier in Fernost so üblich ist, die Kleineren Hand an Hand. Nun wären Filmaufnahmen doch gut gewesen bei der lautstarken Umrundung des Grabes. No go, plötzlich sind Wächter hier, die uns das strikt untersagen.


Foto: (c) Samuel Degen. Schulkinder im Bibi-ka-Maqbara Mogul-Mausoleum

Also, dann halt draußen die vielen Fragen der Lehrer beantwortet. Nach dem Woher, dem Wohin. Die Kinder sitzen derweil brav auf dem Boden und begaffen uns wie Marsmenschen. Sicherlich aus der noch tieferen zentralindischen Provinz angereist und deshalb uns Bleichgesichter bislang nur im TV und nun erstmals real gesehen. Anfassen ist wichtig, unsere Haut und Haare wollen alle berühren. Wieder klickt meine Sony R1 wie eine Maschine und unsere beiden Videocams laufen ebenso heiß. Nahaufnahmen sind angesagt. Zwar sind die Schüler der höheren Klassen mit blauen Schuluniformen recht sauber angezogen, weil dies Pflicht ist. Aber die Haare der Kinder sind meist struppig wie Stroh, der Hals, die Gesichter und die Beine ungewaschen, der strenge Geruch bezeugt das Fehlen jeglicher Sanitäreinrichtungen in den meist allereinfachsten Behausungen der Familien. Aber sie können zumindest, im  Gegensatz zu Millionen anderer Kinder in Indien, die hart arbeiten müssen, zur Schule, dürfen lernen und haben damit eine reale Chance, am hier gerade explodierenden Wirtschaftswunder teilzunehmen.


Foto: (c) Samuel Degen. Schüler im Bibi-ka-Maqbara Mogul-Mausoleum mit unserem Jo

Weiter geht es nach ausgiebigem Winken und Händeschütteln zum Abschied zu den Höhlentempeln von Aurangabat. Ja, die gibt es auch, wenngleich sie in Größe und Anzahl mit denen von Ajanta und Elora nicht mithalten können. Auch beträgt das Eintrittsgeld hier nur 100 Rupien anstatt der dort verlangten 250 Rupien, wenngleich dies für Inder überall gleichermaßen nur 10 Rupien beträgt. Aber auch dieser Besuch lohnt sich. Die Qualität der Höhlentempel ist überragend, auch hier machen wir Aufnahmen, was das Zeug hält. Zudem ist kein Wärter anwesend, so dass ich erstmals nun ungeniert in den Höhlen blitzen kann. Wenngleich ich auch so weit es geht versuche, mit dem düsteren vorhandenen Licht auszukommen, der natürlichen  Lichtstimmung wegen. So unschlagbar gut die Schärfeleistung des  fest verbauten 24-120 mm (nach KB) Carl Zeiss Vario-Sonnar an meiner Sony R1 auch ist, des APSC große Aufnahmesensor der etwas betagten Kamera ist überaltert und rauscht deshalb bei ISO Einstellungen ab 800 ASA. Zudem hat sie keinen Stabilisator. So suche ich mir immer Auflagen oder Anlehnmöglichkeiten, um mit 1/8 Sekunde oder noch langsamer belichten zu können. Durch jahrzehntelange Reportagefotografie mit konventionellen 27DIN = 400 ASA Schwarzweißfilmen war ich in Sachen Lichtempfindlichkeit nie verwöhnt, nur waren früher meine diversen Nikon Festbrennweiten an meinen mechanischen Nikon F2 Bodys mit Lichtstärken zwischen 1,4 (50mm) und 2,8 (180mm) schon lichtstärker wie nun das Carl Zeiss Vario Sonnar mit einer Lichtstärke von nur noch 3,5 bis 5,6 je nach Zoomstellung.
Was soll´s, gute Fotos macht zu 80 % der Fotograf, zu 18% das verwendete Objektiv und nur die fehlenden 2% der total überbewertete andere technische Firlefanz. Nach mehreren hundertausend Reportagefotos in den vergangenen 30 Jahren rund um den Globus nehme ich mir heraus, das so zu bewerten.


Foto: (c) Samuel Degen. Höhlentempel in Aurangabat

Unsere nächste Station bei dieser Stadtrundfahrt soll nun der legendäre Mittwochsmarkt von Aurangabat sein, auf dem die landwirtschaflichen Erzeugnisse der Region angeboten werden. Unserer Fahrer signalisiert, dass er unseren wieder englisch vorgetragenen Wunsch irgendwie verstanden habe und kutschiert uns eine Stunde lang durch das Gewühl der Innenstadt – zu einer Shopping Mall. Klasse, wir sind kurz vor dem Ausrasten. Wie nur kann, nein, lassen wir das...
Wieder mit seinem Chef telefoniert, nun scheint es ihm endlich klar zu sein, was wir wollen. Eine weitere halbe Stunde später sind wir dann endlich da.
Ja, das ist das Bilderbuchindien, das vielerorts schon verschwunden ist. Marktschreier, Taschendiebe, Rinderhändler. Nach so viel Herumfahrerei toben wir uns nun nach Herzenslust aus. Die Videocams schnurren, selbst Andrea ihre wuchtige HD Sony spult mächtig Magnetband ab. Wo sie doch sonst immer bestrebt ist, überlegt und dezent nur die wirklich wichtigen Szenen zu filmen.


Foto: (c) Samuel Degen. Auf dem Wochenmarkt von Aurangabat

Ich selbst benutze neuerdings eine kleine Panasonic Videocam, die auf SD Karten speichert, und ganz nette Qualität im Full HD Format liefert. Ein indischer Marktschreier muss halt gefilmt werden, da ist die reine Fotografie einfach nicht authentisch genug. Bei meinen vertonten „Live-Film-Shows“, per Beamer auf mindestens 6 qm Leinwand projeziert und live kommentiert, die fast alle abendfüllend 2 x 1 Stunden lang sind, ist das Verhältnis Foto zu Video neuerdings schon gleich, die Feedbacks der Zuschauer führten dazu. Begonnen hatte ich mit dieser Art der modernen Beamer Bildpräsentation vor Publikum vor 8 Jahren rein mit vertonten und animierten Fotos, der Anteil der Videosequenzen in den Vorträgen wuchs seither stetig.
Am beeindruckendsten für mich sind heute die glänzenden Rinder. Um sie so richtig „wertvoll“ zum Verkauf präsentieren zu können, wurden sie von den Händlern zuvor komplett vermutlich mit Öl eingerieben. Ebenso erstmals fiel mit auf, dass fast alle Kühe mit ihren neugeborenen Kälbern angeboten wurden.
Deprimierend die weit verbreitete Kinderarbeit, fast an jedem Stand waren sie im schulpflichtigen Alter bei den härtesten und dreckigsten Arbeiten zu sehen. Mit traurigem Blick, den Kopf abgewandt, wenn sie in ihrem geradezu verwahrlosten Zustand unsere Kameras auf sich gerichtet sahen. Wie lange wird es wohl noch dauern, bis dieses dunkle Kapitel im größten demokratischen Land unserer Erde endlich wirkungsvoll beendet ist.

Ein Junge fällt uns auf, der eine kurze Hose trägt, wie wir sie mit unseren „Kleiderspenden“ mitgebracht haben. Komisch, Andrea hatte doch die Beutel mit den zur heutigen Verteilung vorgesehenen Sachen im Tata-Jeep gelassen.
Unser Verdacht bestätigt sich. Nach Rückkunft zum Auto sind fast alle der tollen Kleidungsstücke verschwunden, vor allem die über 20 hochwertigen Jungenhosen. Nach Ankunft in unserem Hotel stellt sie den Fahrer zur Rede. So war das nicht gedacht, das er sich da ungeniert bedienen und diese selbst nach Gusto verteilen könne. Plötzlich versteht er doch so viel Englisch, ja er wolle die Sachen am nächsten Tag wieder zurück zurückbringen. Da steht aber dann ein neuer Fahrer vor dem Eingang unseres Hotels, der alte habe nun frei...

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