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Samuel Degen - Reisen, Fotografie & mehr

Durlacher Kulturpreis "Silberne Orgelpfeife" erhalten

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Kulturpreis für den Fotografen und Weltenbummler Samuel Degen

Im Rahmen der Vernissage zur Fotoausstellung "THE WORLD AT NIGHT" in der Orgelfabrik Durlach, erhielt am Abend des 15. Juni 2012 der Stupfericher Fotograf Samuel Degen aus den Händen der Vorsitzenden, Frau Dr. Hildegund Brandenburg, die "Silberne Orgelpfeife" verliehen.

Diese Auszeichnung des Durlacher Kulturvereins "Die Orgelfabrik - Kultur in Durlach e.V." wurde in den 20 Jahren seines Bestehens erst zum 4. mal verliehen. Sie bekommen Menschen, die sich im Besonderen um die kulturelle Entwicklung von Durlach und auch des Kulturbetriebes rings um die Durlacher Orgelfabrik verdient gemacht haben. Auch Günther Malisius, Vorsitzender sowohl vom "Historischen Verein Durlach als auch der Bürgerstiftung Durlach, die eng mit dem Kulturverein zusammenarbeiten, sprach sich für Samuel Degen als den 4. Durlacher Preisträger aus.


Fotos: Christine Gustai


Text, Kamera und Schnitt: Siegfried Becker

 

Oman - Abenteuer Musandam

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Nachdem vor zwei Jahren in 2010 unser Versuch, aus den VAE über Fujarah und Khor Fakkan an der Ostküste die Nordspitze der Omanischen Halbinsel Musandam über den Grenzort Diba zu erreichen gescheitert war, versuchten wir dies im Juni 2012 erneut, nun aber über die Westküste nördlich vom auch hierzulande bekannten Ras Al Khaimah.
Völlig falsch gezeichnete Karten in unseren Reiseführern Apa Guide und Merian suggerierten uns damals eine gut ausgebaute Straße im Osten dieser nördlichsten Omanenklave bis hoch nach Khasab. Diese erwies sich dann jedoch als böser Schotterweg, der immer schmaler in die wilden Schluchten des Ruus al Jibal Gebirges führte, so dass wir nach sehr gewagten über 50 Kilometern ungeplantem "Offroad Adventure" frustiert wenden und noch am gleichen Tag wieder in die VAE zurückkehren mussten. Zumindest war dort der Grenzübertritt in Ras Dibba an der Oman See ganz einfach. Pass vorweisen und weiterfahren.


Samuel Degen auf dem Weg in den Oman - ohne Mietwagen geht hier gar nichts...

Aber nun alles ganz anders. Alle Karten zeigen nun unmissverständlich auf, dass es tatsächlich nach der Dahra Border (UAE) über die Tibat Border (Oman) eine Asphaltstraße an der Westküste hoch nach Khasab, der Hauptstadt von Musandam, geben muss. Super, dann gehen wir das doch wieder an. Zu sechst waren wir lange zuvor in Dubai angereist, vier weitere Freunde stießen erst am Vortag nach einem anderem Vorprogramm in Ras Al Kaimah zu uns.
Abfahrt um 9 Uhr ab unserem recht akzeptablen Hotel in RAK, fast schon zu spät für eine Reise in den Oman. Nach 90 Minuten erreichen wir mit unseren drei Mietwagen die omanische Grenze in Dahra, kurz nach dem bekannteren Ort Ash Sham. Wir müssen aussteigen und rein ins Büro der VAE Grenzer. Kein gutes Zeichen. Fragen, Papierkrieg, Formulare, Check der Autopapiere unserer Mietwagen und Bezahlung einer Gebühr von 35 Dirham pro Person in cash. Gut, das sind keine 10 Euro, aber eine halbe Stunde ist futsch.
Wiederholung des Gesamten 100 Meter weiter an der Omanischen Grenzstation vor Tibat. Nein, so war das eigentlich nicht gedacht. Nun wanderten 50 VAE Dirham über den Counter, das sind weitere 12 Euro. Addiert mit dem Zeitverlust von einer
weiteren halben Stunde stand das Projekt "Abenteuer Musandam" nun echt auf der Kippe.


Warten auf das Ablegen der Dhau im Hafen von Khasab / Oman

Aber gut, alle 10 Personen sowie unsere drei Wagen kamen zumindest ohne Beanstandungen irgendwelcher Papiere an beiden Grenzstationen durch, wir waren endlich im Oman.
Nun aber schnell, die 40 Kilometer nach dem militärisch so bedeutsamen Khasab an der Meeresstraße von Hormus gegenüber des Iran wollen ja auch noch gefahren werden. Die traumhaft schöne Küstenstraße, links der Arabische Golf und rechts die steilen Hänge des Ruus al Jibal Gebirges, sind den Besuch alleine schon wert, der Weg ist das Ziel. Die zu fahrende Höchstgeschwindigkeit beträgt fast durchgängig 50 km/h, also eine weitere Stunde blitzampelüberwachte Sightseeing Schleichfahrt bis nach Khasab.
Endlich da. Da nun schon nach 12 Uhr
, geben die Läden in den laut Literatur so einmaligen Soukhs von Khasab gar nichts her, um die Mittagszeit bei 45 Grad ist hier alles geschlossen.

Also zum Hafen. Keine Ausschilderung, von der Küstenstraße aus ist nur ein großes Betonbecken mit zwei weißen Riesenpötten zu sehen, von hölzernen Dhaus weit und breit keine Spur. Aber dann doch. Durch einen Spalt an einem kaschierenden Bauzaun sehe ich ganz versteckt am rechten Rande der großen Bucht von Khasab dunkle Boote. Also die Bucht umfahren und die letzten hundert Meter über eine kaum erkenntliche Schotterpiste zu zwei ins Meer ragenden Landungsstegen. Klasse, gleich hier am ersten Steg liegen gut 20 Dhaus, aber alle nur zum Fischen
aufgetakelt und menschenleer. Enttäuschung macht sich breit.
Andrea hat derweil aber am anderen Steg mehr Glück. Ein Herr, der gerade ins Auto einsteigen und wegfahren will, hält inne und fragt sie nach dem Zweck unseres Besuches hier im Dhau Hafen von Khasab. Er entpuppt sich als ein Mitarbeiter von "Musandam Sea Adventure Travel & Tourism", der wohl einzigen Reiseagentur hier am Ort. Gerade noch eine Ausflugsdhau wäre frei und auch sofort zu haben. Wie im Orient so üblich, gleich die geforderte Chartergebühr für eine Dhaufahrt von 1200 auf 700 Dirham heruntergehandelt, das sind für uns nun pro Person so 17 Euro.
Dreieinhalb Stunden lang soll die Schiffstour gehen, Softdrinks und Obst sind inbegriffen. Ebenso Schnorchelbrillen und Flossen.
Der Kapitän, klassisch gekleidet mit Kaftan und Kopftuch, wirft erst einmal seinen kleinen Teppich Richtung Mekka aufs Deck und betet - alles wird gut.
Um 13:30 Uhr legt der Kahn mit zwei Mann Besatzung ab. Kühlender Fahrtwind kommt auf und mit ihm das erhoffte Glücksgefühl - endlich geschafft.


Kapitän (re) und Bootsmann der Dhau

Die mitgeschleppten gängigen Reiseführer überschlagen sich unisono fast im Lob über diese wildromantische Gegend, die kilometerlangen fjordartigen Meeresarme sind ein ausgesprochener Traum für Naturfreunde. Und tatsächlich. Glasklares Wasser, steil aufragende Felswände und gleich zwei Schmugglerboote direkt vor uns. Aus dem übers Meer nur 50 km entfernten Iran kommen ständig Boote mit Ziegen, Teppichen und Sonstigem, was die total verarmte Landbevölkerung alles so feilbieten kann. Meist bereits vor dem Hafen von Khasab, noch auf dem offenen Meer, werden die Ware getauscht, vornehmlich gegen Elektronik, die im unter internationalem Boykott stehenden Iran nicht zu bekommen ist. In Handumdrehen ist die Ware von Boot zu Boot übergeben und schon saust der Iraner im Höllentempo seines Speedbootes wieder ins Blau des offenen Meeres hinaus.


Schroffe Felswände ragen steil in den Himmel

Der Kapitän steuert nach rechts in eine Bucht, die sich als die Mündung eines dieser gewaltigen "Fjorde" entpuppt. Nachdem ich mich dem Kapitän als Travel Agent auf Recherchetour geoutet habe, übergibt er mir eine zwar schon zerfledderte, aber sogar deutschsprachige recht genau gezeichnete Karte dieser Gegend. 16 km ist dieser "Khor Ash Sham" tief, mehrere Minidörfer an den Steilhängen des Gebirges, die nur per Boot erreicht werden können, werden wir passieren, ohne sie jedoch zu betreten, um das abgeschiedene Leben der Fischerfamilien hier nicht zu stören.



Unsere gesamte Gruppe ist sehr guter Dinge, der Blick von unserer mit Teppichen und großen Kissen ausgelegten kitschigblauen Dhau aus ist fast schon unwirklich schön. Und dann sind sie plötzlich da, die Delphine, deren Erscheinen wir uns erhofft hatten. Kapitän und Bootsmann pfeifen und klatschen um die Wette, der Gashebel der Dhau geht auf Vollgas. Und tatsächlich, rechts und links begleiten uns nun sausend die Delphine. Unglaublich, sie direkt unter der klaren Oberfläche zu sehen, ohne dass wir irgendwelche Flossenschläge erkennen können. Jedes mal, wenn sie trotz des hohen Tempos auch noch aus dem Wasser schießen, klicken die Kameras, unser Glück ist perfekt - welch ein Erlebnis.

Wir passieren "Nadifi", das erste Dorf des Fjordes mit 120 Einwohnern. Die Kinder werden jeden Samstag per Boot zur Schule nach Khasab gebracht und kommen am Mittwoch zurück ins Dorf, um das Wochenende mit der Familie zu verbringen. Die Regierung stellt den kärglichst lebenden Bewohnern wöchentlich kostenlos Trinkwasser zur Verfügung. Bemerkenswert finden wir auch "Maqleb" mit nur 10 Häusern. Welch ein Leben fernab unserer Vorstellungskraft.


Entgegenkommende Dhau

Die Dhaus, die am Vormittag bereits vor uns in Khasab ausgelaufen waren, stoppen auf dem Rückweg neben uns. Offensichtlich hatten die in Sachen Delphine weniger Glück wie wir, unser Kapitän wendet sofort.
Fast als Belohnung für diese Entscheidung gleich schon wieder spielende Delphine vor uns. Und wieder diese offensichtlich animierende Vollgasfahrt mittendurch zur Delphineskorte. Ja klar, Delpine habe ich auf Reisen schon oft gesehen, als solch rasende "Torpedos" aber noch nie.



Rasende Delphine begleiten unsere Dhau
Die Wasserfarbe habe ich per Photoshop etwas aufgepeppt...

Die Delphine sind abgetaucht, die Fahrt verlangsamt sich, wir nähern uns dem Inselchen "Telegraph Island". Der Anker fällt, nun aber endlich ab ins erfrischende Nass. Welche Labsal, von 45 Grad Lufttemperatur ins "nur" 30 Grad kühle Wasser zu wechseln. Bananengeködert schwimmen wir inmitten bunter Fischschwärme.
Herrlich, da Telegraph Island von einem Korallenriff umgeben ist und damit einer der besten Plätze auch zum Schnorcheln. 1864 erbauten die Briten auf diesem Inselchen eine Telegrafenstation. Sie verlegten ein Unterwasserkabel von Indien nach Basra im Irak, um eine Verbindung zwischen England und Indien zu erhalten. Gut so, die Welt wuchs bereits damals zunehmend zusammen.
Der aufkommende Gedanke, dass auch einer der hier vorkommenden Haie auf uns lauern könnte, vertreibt die 12-jährige B. weinend aus dem Wasser ins Boot. Klar, ein überschaubares Freibad ist dieser schroffe omanische Meeresarm im Persisch-Arabischen Golf an diesem Ende der Welt dann doch nicht.


Der Bootsmann wirft den Anker vor dem Inselchen "Telegraph Island"

Reisen fernab ausgetretener Pfade - die Welt erscheint hier besonders reich und schön. Erinnerungen, die bleiben. Auch dank solcher gedanklicher Skizzen, vieler Fotos und Videos.
Der Kapitän betet wieder, sein Gebetsteppich weist nun gen Heck, der Bootsmann steuert.
Laut erschallt "Allahu Akbar - Gott ist groß"  und seine Schöpfung ist herrlich. Hier sogar noch ein Stück weit herrlicher als anderswo. 
 

April 2012 E / Indien - Goa per Scooter

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Mein Bericht über unsere ausgedehnten Touren durch Goa vom 07. - 14.04.12 auf zwei weißen Honda Motorrollern ist noch in Vorbereitung.


Andrea & Jo


Samuel Degen, Indien/Goa, Little Vagator Beach, Shiva`s Place

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April 2012 D / Indien - Weltkulturerbe Ellora

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Unser neuer Fahrer am dritten Tag in Aurangabat spricht nun aber ein gutes Englisch, hat gute Manieren und ist rundum freundlich. Gute Voraussetzungen für unseren nun geplanten Trip zu den Höhlentempeln von Ellora.
Unterwegs hält er beim Daulatabad Fort an, der größten Wehranlage Westindiens. Hier sollen wir hinauf? Der höchste Punkt des auf hohen Felsen gelegenen Forts erhebt sich bestimmt 200 Meter, und das bei nun schon wieder fast 40 Grad im Schatten. Kein Pardon, in solchen Sachen sind wir meist knallhart, ein weiches Sofa haben wir zuhause und wir fliegen nicht um die halbe Welt um hier herumzujammern. So steigen wir über 90 Minuten lang bergan, herrliche und überraschende Perspektiven tun sich auf. Welch kolossale Wehr- und Gebäudekomplexe, trutzig für die Ewigkeit gebaut.


Foto: (c) Samuel Degen. Das gewaltige Fort in Daulatabad

Das war klasse, wenngleich wir dann erst nach über zwei Stunden wieder beim Parkplatz sind. Und wieder einmal wurden auch wir dutzende male fotografiert, fast jeder der vielen Inder zückte im Vorbeigehen versteckt sein Handy, um unser helles Fleisch abzulichten. Andrea trägt auch heute wieder ihren fast bodenlangen schwarzen Rock, sonst wären es vermutlich doppelt so viele Handyaufnahmen geworden, halbnackte Damenbeine gibt es hier absolut nicht. Wie wir heißen, aus welchem Land wir kommen, wie uns Indien gefällt. Und dies nicht, wie fast  überall andernorten, nur als Aufhänger zu hartnäckigen Verkaufsvorbereitungen für irgendwelchen Plunder, nein, da ist echtes Interesse ohne Hintergedanken an uns als Gäste des Landes. Die Männer grüßen freundlich, manche klopfen mir freundschaftlich auf die Schultern. Wo es doch in Indien völlig normal ist, dass Männer Hand in Hand spazieren gehen.


Foto: (c) Samuel Degen. Indische Besucher kommen von weither, um die Pracht des Kailash-Tempels in Ellora zu bewundern.

Nun durch die heftige Klettertour gut „aufgewärmt“ wenige Kilometer weiter nach Ellora. Und dort  wieder eine erfreuliche Überraschung. Die Höhlentempel hier sind zwar nicht so malerisch wie in Ajanta in eine senkrechte Felswand gehauen, dafür aber sind sie noch gewaltiger, noch eindrucksvoller. Nun rächt sich unser sportives „Vorprogramm“ doch, wir schaffen nicht alle 34 Höhlen. Nach 4 Stunden bei gefühlten 45 Grad geben wir entkräftet auf, nicht jedoch ohne die wichtigsten 20 Tempel intensiv inspiziert und fotografisch dokumentiert zu haben. Und das im Beisein unseres nun 12-jährigen Jo, der seit 10 Jahren diese unsere üblichen Mördertouren mehrmals jährlich rings um den Globus recht klaglos mitmacht und nicht ständig, wie seine meist total verweichlichten Altersgenossen, auf Mallorca ständig nach Pommes und Pool jammert.
Vor allen den Tempel Nummer 16, den Kailash Tempel, werden wir wohl nie vergessen. Dessen Dimension und Qualität, die Tempel von Ellora sind ebenso wie die Tempel in Ajanta monolithisch am Stück aus dem Felsmassiv gehauen, gehört zum gewaltigsten, was wir je, von künstlerischer Menschenhand geschaffen, gesehen haben.
Nur die in fast allen Tempeln von Ellora ins Auge stechenden massiven Beschädigung durch die Islamisten, wie bereits erwähnt, machen uns noch nach Jahrhunderten wütend. Die abgeschlagenen Nasen, Hände und Füße an den schönsten Statuen sind grauenhaft und, da diese Taten gegen Einrichtungen oder Kultgegenstände anderer Religionen bis in die heutige Zeit fortwähren, nicht ansatzweise akzeptabel.


Foto: (c) Samuel Degen. "Weltwunder" Ellora, Tempel No 16, der "Kailash-Tempel"

So einerseits von der einmaligen Schönheit von Ellora überwältigt, als auch andererseits emotionell „geladen“, wollen wir dann aber doch noch nicht schlapp machen und am späten Nachmittag auf dem Rückweg zum Hotel noch versöhnlich nach Khuldabad an das Grab des letzten großen Moguls Aurangzeb, jenes islamistischen Täters, der die Zerstörungen in Ellora der für ihn "heidnischen Symbole" befohlen hatte, besuchen.
Ein Blinder leiert am Grab, das eine wahre islamische Wallfahrtsstätte darstellt, auf Englisch Ruhm und Ehre des Verstorbenen herunter, so auf die Art, den Buddhisten, Hinduisten und Jainisten habe der es aber so richtig gezeigt. Kein Wort von Reue, von Entschuldigung, von Verirrungen in der Geschichte. Dagegen nur Stolz, Ruhm und Ehre im Namen des Propheten.

Und mein neues T-Shirt, das ich mir in Vorbereitung auf diese Tempeltour mit der Aufschrift "God ist too big to fit into one Religion" (Gott ist zu groß, um in eine Religion zu passen), in Goa habe besticken lassen, hatte ich heute nicht angezogen. Sicherlich hätte er, wenn er sehen könnte, den Sinn auch nicht verstanden. Religiöse Fundamentalisten und Hardliner kennen kein ökumenisches Mit- oder zumindest Nebeneinander der Weltreligionen, alle anderen sind bei denen immer nur die "Ungläubigen", die strikt abzulehnen sind. Wann wird die Menschheit, nach Jahrtausenden dieses Irrsinns, endlich die religiöse Vielfalt mit ihren wunderbaren Werten, Philosophien und Perspektiven als Bereicherung und nicht als Grund zur erbitterten Gegnerschaft mit Millionen von Opfern begreifen.


Foto: (c) Samuel Degen. Lobpreisungen in Khuldabad auf die Taten des 1707 verstorbenen Moguls Aurangazep

Diesen Moscheebesuch hätten wir uns somit wirklich sparen können, wieder ein dunkles Mosaiksteinchen in meinen seit über 30 Jahren weltweit gesammelten düsteren Erkenntnissen und Erfahrungen über die dumpfe Gewalt, die zu oft von diesen Leuten ausgeht. Wo ich doch Anfang der 80er Jahre so optimistisch und wissbegierig in die Weiten des Orients aufbrach, um die literarisch so vielgepriesenen Weis- und Klugheiten des Islam bereichernd selbst zu erfahren. Welch ein Irrtum...

Abends dann nach dem labendem Geplansche im Hotelpool obligatorisch sofort alle Aufnahmen des Tages auf die Festplatte das Netbooks gesichert, undenkbar, durch den Defekt einer Speicherkarte die Ergebnisse unserer aufwändigen Reiserecherchen zu verlieren.

Nun mit Jet Airways zurück an die Traumstrände von Goa, mit Umsteigen in Bombay. Dort dann aber ein ungeplanter Aufenthalt von 6 Stunden, da die Landebahn von Goa wegen Reparaturarbeiten zeitweise gesperrt sei.  Ok, da bietet sich doch eine Stadtrundfahrt in Bombay an. Schnell in der Nähe des Airports für pauschal 1.600 Rupien ein recht dubioses und schrottreifes Chartertaxi gefunden, da uns leider kein Reise- oder Infoschalter im Airport weiterhelfen kann. Das Ganze aber nur ein Reinfall: zwei Stunden zähe Staufahrt in die 40 km entfernte City von Bombay, nur eine halbe Stunde Spaziergang rings um das weltberühmte Gateway of India und wieder zwei Stunden Staufahrt zurück zum Airport. Wenige Fotos als Ausbeute aber dafür eine große Erfahrung reicher: nie wieder Bombay.


Foto: (c) Samuel Degen. Das Taj Mahal Palace in Bombay am Gateway of India

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April 2012 C / Indien - faszinierendes Aurangabat

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Foto: (c) Andrea Liere. Samuel Degen (re) mit dem Bellboy des Ambassador in Aurangabat

Am zweiten Tag steht nun eine „Stadtrundfahrt“ in und um Aurangabat auf unserem Plan. Was soll  es hier in diesem staubigen und gottverlassenen Kaff, das immerhin über 1 Mio Einwohner hat, so tolles zu sehen geben?
Unser der englischen Sprache nicht mächtige Fahrer, dessen Qualitäten sich rein auf den Besitz eines großen Jeeps der Marke Tata beschränken, fährt uns zuerst an den Stadtrand zum „Little Taj Mahal“, das zumindest kann er kommunizieren.
Zwischen 1682 und 1707 war die Stadt Sitz des indischen Großmoguls Aurangzeb. Das Bibi-Ka-Maqbara, eine Nachbildung des Taj Mahal, wurde 1697 von Azam Shah, einem Sohn von Aurangzeb, für seine Mutter Dilras Banu Begum als Mausoleum errichtet und erinnert an die Epoche der Mogulherrschaft.


Foto: (c) Samuel Degen. Bibi-ka-Maqbara - der "Little Taj Mahal" in Aurangabat

Wunderbar, es sind kaum Besucher da, die den Blick auf das Gebäude, das dem „echten“ Taj Mahal in Agra verblüffend ähnlich sieht, verstellen könnten. Die Sony R1 klickt und klickt. Nur die Springbrunnenanlage, die schnurstracks auf das Gebäude zuläuft, führt kein Wasser.
Der Himmel ist stahlblau, die Luft klar, bessere Bedingungen für echte Postkarten gibt es wohl kaum. Also, den Effekt genutzt und die Außenaufnahmen zusätzlich um ½ Blende unterbelichtet, Erinnerungen an die Bonbonfarben des legendären Fuji Diafilms kommen auf. Der Polfilter bleibt in der Tasche, der würde das Ganze dann doch überzeichnen.
Im Mausoleum sind wir allein, so dass wir das Grabtuch der hier bestatteten Dilras Banu Begum, auf das unzählige Münzen hinuntergeworfen wurden, aus den wirkungsvollsten Winkeln fotografieren können. Nur Videoaufnahmen sind nicht erlaubt, aber hier drinnen gibt es gerade sowieso nichts zu filmen. Bis dann die Schulklassen kommen. Nicht eine, nein viele viele. Diszipliniert, wie dies hier in Fernost so üblich ist, die Kleineren Hand an Hand. Nun wären Filmaufnahmen doch gut gewesen bei der lautstarken Umrundung des Grabes. No go, plötzlich sind Wächter hier, die uns das strikt untersagen.


Foto: (c) Samuel Degen. Schulkinder im Bibi-ka-Maqbara Mogul-Mausoleum

Also, dann halt draußen die vielen Fragen der Lehrer beantwortet. Nach dem Woher, dem Wohin. Die Kinder sitzen derweil brav auf dem Boden und begaffen uns wie Marsmenschen. Sicherlich aus der noch tieferen zentralindischen Provinz angereist und deshalb uns Bleichgesichter bislang nur im TV und nun erstmals real gesehen. Anfassen ist wichtig, unsere Haut und Haare wollen alle berühren. Wieder klickt meine Sony R1 wie eine Maschine und unsere beiden Videocams laufen ebenso heiß. Nahaufnahmen sind angesagt. Zwar sind die Schüler der höheren Klassen mit blauen Schuluniformen recht sauber angezogen, weil dies Pflicht ist. Aber die Haare der Kinder sind meist struppig wie Stroh, der Hals, die Gesichter und die Beine ungewaschen, der strenge Geruch bezeugt das Fehlen jeglicher Sanitäreinrichtungen in den meist allereinfachsten Behausungen der Familien. Aber sie können zumindest, im  Gegensatz zu Millionen anderer Kinder in Indien, die hart arbeiten müssen, zur Schule, dürfen lernen und haben damit eine reale Chance, am hier gerade explodierenden Wirtschaftswunder teilzunehmen.


Foto: (c) Samuel Degen. Schüler im Bibi-ka-Maqbara Mogul-Mausoleum mit unserem Jo

Weiter geht es nach ausgiebigem Winken und Händeschütteln zum Abschied zu den Höhlentempeln von Aurangabat. Ja, die gibt es auch, wenngleich sie in Größe und Anzahl mit denen von Ajanta und Elora nicht mithalten können. Auch beträgt das Eintrittsgeld hier nur 100 Rupien anstatt der dort verlangten 250 Rupien, wenngleich dies für Inder überall gleichermaßen nur 10 Rupien beträgt. Aber auch dieser Besuch lohnt sich. Die Qualität der Höhlentempel ist überragend, auch hier machen wir Aufnahmen, was das Zeug hält. Zudem ist kein Wärter anwesend, so dass ich erstmals nun ungeniert in den Höhlen blitzen kann. Wenngleich ich auch so weit es geht versuche, mit dem düsteren vorhandenen Licht auszukommen, der natürlichen  Lichtstimmung wegen. So unschlagbar gut die Schärfeleistung des  fest verbauten 24-120 mm (nach KB) Carl Zeiss Vario-Sonnar an meiner Sony R1 auch ist, des APSC große Aufnahmesensor der etwas betagten Kamera ist überaltert und rauscht deshalb bei ISO Einstellungen ab 800 ASA. Zudem hat sie keinen Stabilisator. So suche ich mir immer Auflagen oder Anlehnmöglichkeiten, um mit 1/8 Sekunde oder noch langsamer belichten zu können. Durch jahrzehntelange Reportagefotografie mit konventionellen 27DIN = 400 ASA Schwarzweißfilmen war ich in Sachen Lichtempfindlichkeit nie verwöhnt, nur waren früher meine diversen Nikon Festbrennweiten an meinen mechanischen Nikon F2 Bodys mit Lichtstärken zwischen 1,4 (50mm) und 2,8 (180mm) schon lichtstärker wie nun das Carl Zeiss Vario Sonnar mit einer Lichtstärke von nur noch 3,5 bis 5,6 je nach Zoomstellung.
Was soll´s, gute Fotos macht zu 80 % der Fotograf, zu 18% das verwendete Objektiv und nur die fehlenden 2% der total überbewertete andere technische Firlefanz. Nach mehreren hundertausend Reportagefotos in den vergangenen 30 Jahren rund um den Globus nehme ich mir heraus, das so zu bewerten.


Foto: (c) Samuel Degen. Höhlentempel in Aurangabat

Unsere nächste Station bei dieser Stadtrundfahrt soll nun der legendäre Mittwochsmarkt von Aurangabat sein, auf dem die landwirtschaflichen Erzeugnisse der Region angeboten werden. Unserer Fahrer signalisiert, dass er unseren wieder englisch vorgetragenen Wunsch irgendwie verstanden habe und kutschiert uns eine Stunde lang durch das Gewühl der Innenstadt – zu einer Shopping Mall. Klasse, wir sind kurz vor dem Ausrasten. Wie nur kann, nein, lassen wir das...
Wieder mit seinem Chef telefoniert, nun scheint es ihm endlich klar zu sein, was wir wollen. Eine weitere halbe Stunde später sind wir dann endlich da.
Ja, das ist das Bilderbuchindien, das vielerorts schon verschwunden ist. Marktschreier, Taschendiebe, Rinderhändler. Nach so viel Herumfahrerei toben wir uns nun nach Herzenslust aus. Die Videocams schnurren, selbst Andrea ihre wuchtige HD Sony spult mächtig Magnetband ab. Wo sie doch sonst immer bestrebt ist, überlegt und dezent nur die wirklich wichtigen Szenen zu filmen.


Foto: (c) Samuel Degen. Auf dem Wochenmarkt von Aurangabat

Ich selbst benutze neuerdings eine kleine Panasonic Videocam, die auf SD Karten speichert, und ganz nette Qualität im Full HD Format liefert. Ein indischer Marktschreier muss halt gefilmt werden, da ist die reine Fotografie einfach nicht authentisch genug. Bei meinen vertonten „Live-Film-Shows“, per Beamer auf mindestens 6 qm Leinwand projeziert und live kommentiert, die fast alle abendfüllend 2 x 1 Stunden lang sind, ist das Verhältnis Foto zu Video neuerdings schon gleich, die Feedbacks der Zuschauer führten dazu. Begonnen hatte ich mit dieser Art der modernen Beamer Bildpräsentation vor Publikum vor 8 Jahren rein mit vertonten und animierten Fotos, der Anteil der Videosequenzen in den Vorträgen wuchs seither stetig.
Am beeindruckendsten für mich sind heute die glänzenden Rinder. Um sie so richtig „wertvoll“ zum Verkauf präsentieren zu können, wurden sie von den Händlern zuvor komplett vermutlich mit Öl eingerieben. Ebenso erstmals fiel mit auf, dass fast alle Kühe mit ihren neugeborenen Kälbern angeboten wurden.
Deprimierend die weit verbreitete Kinderarbeit, fast an jedem Stand waren sie im schulpflichtigen Alter bei den härtesten und dreckigsten Arbeiten zu sehen. Mit traurigem Blick, den Kopf abgewandt, wenn sie in ihrem geradezu verwahrlosten Zustand unsere Kameras auf sich gerichtet sahen. Wie lange wird es wohl noch dauern, bis dieses dunkle Kapitel im größten demokratischen Land unserer Erde endlich wirkungsvoll beendet ist.

Ein Junge fällt uns auf, der eine kurze Hose trägt, wie wir sie mit unseren „Kleiderspenden“ mitgebracht haben. Komisch, Andrea hatte doch die Beutel mit den zur heutigen Verteilung vorgesehenen Sachen im Tata-Jeep gelassen.
Unser Verdacht bestätigt sich. Nach Rückkunft zum Auto sind fast alle der tollen Kleidungsstücke verschwunden, vor allem die über 20 hochwertigen Jungenhosen. Nach Ankunft in unserem Hotel stellt sie den Fahrer zur Rede. So war das nicht gedacht, das er sich da ungeniert bedienen und diese selbst nach Gusto verteilen könne. Plötzlich versteht er doch so viel Englisch, ja er wolle die Sachen am nächsten Tag wieder zurück zurückbringen. Da steht aber dann ein neuer Fahrer vor dem Eingang unseres Hotels, der alte habe nun frei...

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